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© Hedwigschwestern, Berlin 2012

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Der Heilige Augustinus

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Am 13. November 354 wurde Aurelius Augustinus als afrikanischer Römer berberischer Abstammung in Thagaste (heute Souk Ahras) geboren. Er wurde zum Rethorik-Lehrer ausgebildet und unter4richtete in Thagaste, Karthago, Rom und Mailand

Am 24.04.387 ließ er sich taufen und kehrte im Herbst 388 nach Afrika zurück und errichtete in Thagaste ein Hauskloster für ein Leben der Zurückgezogenheit und des Freiwerdens vom Besitz. Gegen seinen Willen wurde er bei einem Besuch in Hippo (heute Bone) mit 36 Jahren zum Priester und fünf Jahre später zum Weihbischof geweiht. Seit 396 ist er dann Bischof von Hippo, der zweitgrößten Stadt Afrikas.

Bevor Aurelius Augustinus nach Afrika zurückkehrte, nannte ihn seine sterbende Mutter (Herbst 387) einen Mönch. Augustinus hatte in Mauland das Mönchtum kennen gelernt und beobachtete es in Rom. Er wollte selbst als Mönch leben. Es ging ihm um Gott und die Seele, sonst nichts. In dieser Absicht stand zunächst einmal das philosophische Ideal der platonischen Innerlichkeit des Aufstiegs zu Gott. Als Augustinus 43 Jahre nach seiner Taufe am 28.08.430 in Hippo starb, hatte er ein reiches Leben im Dienst der Kirche hinter sich. Am Ende steht der in der Nachfolge gereifte Mensch, der durch und durch kirchlich dachte und fühlte, ein Mann der Gemeinschaft. Auch der Bischof Augustinus lebt und stirbt als armer Diener Christi, als Mönch in der Gemeinschaft von Mönchen. Man kann deswegen die Ordensregel des Heiligen das eigentliche Programm seines Lebens, sein asketisches Vermächtnis und monastisches Lebensideal nennen.

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In einer Predigt sagte Augustinus: „Vielleicht bist du gleichgültig, uninteressiert, kümmerst Dich nur um dich selbst, genügst dir selbst und sagst dir innerlich, was soll ich mich um fremde Sünden sorgen? Ich kümmere mich um mein eigenes Seelenheil und bewahre meine eigene Seele rein für Gott.“ Augustinus lehnt diese Haltung ab: „Was aber will ich, was ersehne ich, was begehre ich, warum lebe ich, wenn nicht einzig dafür, dass wir gemeinsam mit Christus leben? Ich will nicht ohne Euch gerettet werden.“

Augustinus übersetzt das Wort Mönch: „Jene nennt man Mönche, die durch ihr einträchtiges Beisammensein gleichsam zum monos, d.h. zu einem einzigen Wesen werden und nur ein Herz und eine Seele in Gott besitzen.“ Durch die klösterliche Liebesgemeinschaft soll Christus in die Welt und in die Kirche Eingang finden. Die klösterliche Gemeinschaft ist eine Kirche im keinen, ein Abbild des himmlischen Jerusalem. Dem allein dienen bei Augustinus die drei großen Forderungen: Frei sein vom Verlangen nach eigenem Hab und Gut, mit der Hände Arbeit zum Unterhalt der Gemeinschaft beitragen und ohne Widerspruch dem Oberen Gehorsam leisten. In Sammlung und Gebet, Askese und Keuschheit erhält dies alles seine wesentlichen und unentbehrlichen Stützen. Entscheidend aber ist die Liebe.

Augustinus sagt in seinem Brief an eine Frau, die sich an unerträglichen Menschen stößt: „Wenn Du Christus dein Herz, deinen Lebensplan, deine heilige Jungfräulichkeit, deinen Glauben, deine Hoffnung und deine Liebe empfiehlst, so wirst du nicht in Verwirrung geraten wegen der Ärgernisse“. In einem anderen Brief sagt er: „Stets werdet ihr etwas aneinander zu ertragen haben“.

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Augustinus überreicht Norbert von Xanten die Ordensregel

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Taufe des Hl. Augustinus

Das Programm augustinischen Klosterlebens ist kurz und treffend im Anfang der Regel ausgedrückt: „das erste Ziel Eures gemeinschaftlichen Lebens ist, in Eintracht zusammenzuwohnen und ein Herz und eine Seele in Gott zu haben“. Es geht ihm um die Verwirklichung jenes Satzes der Apostelgeschichte: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam (Apg 4,32). Hier geht es nicht um die eigene Tiefe der Seele, um den persönlichen Aufstieg zu Gott, wie es der Philosoph Augustinus eigentlich gewollt hatte, hier drückt sich die gewachsene Ähnlichkeit mit dem herabgestiegenen, den Menschen nahe gewordenen Gott aus. Das Leben wird Gottesdienst durch die mitmenschliche Liebe in der Gemeinschaft des Leibes Christi: „Liebe und tue, was du willst“.

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Der Weg des heiligen Augustinus von einem Mann der Sehnsucht nach Kontemplation und Innerlichkeit zu einem Mann, der seine ganze Kraft in den Dienst der Menschen seiner Kirche stellt, wird sehr schön deutlich durch seine Auslegung des Evangeliums von Maria und Marta. Im Lukas Evangelium ist zu lesen: „Eine Frau namens Marta nahm ich freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mir die ganze Arbeit allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortet: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das bessere erwählt, das soll ihr nicht genommen werden (Lk 10,38-42).

In der Tradition wurde Maria immer als der Typus für ein kontemplatives Leben, und Marta als der Typus eines aktiven, dienenden Lebens gesehen. Ganz anders sieht es der heilige Augustinus. In einer Predigt spricht er zunächst über das „Eine Notwendige“: „Eines ist notwenig, jenes höchste Eine, in dem Vater, Sohn und heiligen Geist nur Eines sind. Sehr, wie wir auf die Einheit hingewiesen werden“. Und: „Zu diesem Einen führt uns nur, wenn wir, die vielen, ein Herz haben“. Und: „Es vergeht die Mühsal der Vielheit, es bleibt die Liebe der Einheit“. Das bedeutet: „Die reale, nüchterne Liebe zur Kirche, die Einfügung in die katholische comminio, diese oft genug uns zur Demut zwingende Einfügung in das Netz, das gute und schlechte Fische trägt – sie bleibt in ihrem Kern. Die ist das Jetzt – schon – Gegenwärtig sein der Einheit, die die Vielheit überwindet. Die Vielheit wird nicht überwunden durch die Absonderung des einzelnen und seinem privatem Aufstieg in das Eine, sondern umgekehrt durch die Einfügung in die Einheit, die aus den vielen dadurch wachst, dass sie in der Kirche ein einziger Christus werden“. (Joseph Ratzinger – Benedict XVI)

Klaus Kliesch / Bilder Wikipedia