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© Hedwigschwestern, Berlin 2010

Die Hedwigschwestern in Vergangenheit und Gegenwart

Die Anfänge der Kongregation der Schwestern der hl. Hedwig gehen in das Revolutionsjahr 1848 zurück. Dieses Jahr bedeutet nicht nur eine Wende in der deutschen Geschichte, sondern brachte auch dem deutschen Katholizismus nach der Zeit des Absolutismus die Freiheit, neue, zeitgemäße Formen christlichen Lebens zu schaffen.

Die erste Generalversammlung der deutschen Katholiken in Würzburg – die Vorläuferin der heutigen Katholikentage – war Auftakt und Anregung zur Gründung vieler katholischer Vereinen in den deutschen Bistümern. Im Rahmen dieser allgemeinen Entwicklung ist auch in Breslau der Hedwigsverein entstanden, der die Keimzelle einer Ordensgemeinschaft wurde, die nunmehr auf 145 Jahre ihres Bestehens zurückblicken kann.

Als ihren Stifter verehrt die Ordensgemeinschaft den schlesischen Priester und späteren Breslauer Domkapitular Robert Spiske (1821-1888).

Als langjähriger Kaplan der Breslauer Innenstadtpfarrei „Maria auf dem Sande“ lernte er die Gefährdung und Verwahrlosung vieler familienloser Kinder kennen. Um ihnen wirksam zu helfen, sammelte er seine Gruppe von Helferinnen um sich, die er „Hedwigschwestern“ nannte. Sie brachten gefährdete und heimatlose Kinder in guten Pflegestellen unter, die sie in regelmäßigen Besuchen betreuten und auch finanziell unterstützten. Beim Anwachsen dieser Arbeit ergab sich bald die Notwendigkeit, für solche Kinder ein eigenes Heim zu schaffen, das 1857 als „Haus zur Hl. Hedwig“ errichtet wurde.

Domkapitular Robert Spiske

Bei den „Hedwigschwestern“, die sich ganz der Pflege und Erziehung der Kinder widmeten, erwachte unter der geistlichen Führung Spiskes der Wunsch, sich dieser Aufgabe ganz im Geiste der evangelischen Räte zu weihen. Die Kongregation der Hedwigschwestern war geboren: Spiske verfasste die erste Ordenssatzung, für die er sich in einer Audienz bei Papst Pius IX. Billigung und Segen erbat. Der Papst schrieb eigenhändig die Worte nieder :

„Benedicat Deus granum sinapis ita ut crescat in arborem magnam!“

„Gott segne dieses Senfkorn, auf dass es zu einem großen Baum heranwachse!“

Dieses Segenswort haben die Hedwigschwestern als ein teures Vermächtnis bewahrt; es gab ihnen die Kraft zur Treue am Werk in den schweren Prüfungen, die über sie kommen sollten.

Am 14. Juni 1859, der als der eigentliche Gründungstag der Kongregation gilt, legten die ersten vier Schwestern die Ordensgelübte ab und nahmen den blauen Schleier, der für die Gemeinschaft bis heute charakteristisch geblieben ist.

Die ersten Schwestern erhalten den blauen Schleier durch ihren Stifter
Robert Spiske
Sr. M. Augustina v. Douallier
Sr. M. Pauline Resler
Sr. M. Sidonie v. Tschischwitz
Sr. Maria Wenzel

Die ersten Hedwigschwestern erhalten den blauen Schleier

Die Grundlage ihres geistlichen Lebens ist die Regel des Hl. Augustinus, die älteste Regel des Abendlandes. Die Kongregation ist daher dem Orden der Augustiner – Eremiten angeschlossen und hält lebendigen Kontakt zu anderen augustinischen Gemeinschaften. Als ihre Schutzheilige verehren die Schwestern die heilige Hedwig, die Landespatronin von Schlesien. Als Sproß eines bayerischen Adelsgeschlechtes wurde sie durch Heirat Herzogin von Schlesien. Sie tat viel für die kulturelle Entwicklung ihres Landes; durch die Verbindung inniger Christusfrömmigkeit mit aufopferndem karitativen Wirken ist die den Schwestern Vorbild in ihrem Ordensleben. In der Gegenwart gewinnt sie besonders als Symbol der Versöhnung zwischen dem deutschen und dem polnischen Volke; diesem Gedanken fühlen sich auch die Hedwigschwestern verpflichtet.

Generaloberin Mutter M. Augustina Douallier

Generaloberin
M. Augustina von Douallier
1888-1894

Wie zeitgemäß die Gründung war, zeigt ihr rasches und fruchtbares Wachstum in den ersten 12 Jahren ihres Bestehens. Bis 1871 wurden in 9 Einkleidungen 56 Schwestern aufgenommen, und neben dem Breslauer Mutterhaus 7 Zweigniederlassungen in Schlesien gegründet. 1864 wurde dem Kinderheim des Mutterhauses eine eigene Heimschule angegliedert. Die Genossenschaft erhielt so von Anfang an den Charakter eines Erziehungsordens, wenn sie auch von Anfang an für andere karitative Aufgaben offen war.

Dieser Umstand sollte die Ursache sein, dass die junge Kongregation die Härte des so genannten Kulturkampfes in Preußen besonders schwer zu spüren bekam; denn bis zum 1. Mai 1879 mussten alle Ordenshäuser, die sich dem Unterricht und der Erziehung der Jugend widmeten, aufgelöst werden. Die Hedwigschwestern waren gezwungen, ins Exil zu gehen und fanden ein Asyl im ehemaligen Augustinerkloster Nezamislitz, im österreichischen Mähren. Dieses Haus wurde zum Mittelpunkt einer blühenden österreichischen, später tschechischen Provinz, die allerdings nach dem letzten Weltkrieg durch die atheistische Staatsführung in immer schwerer Bedrängnis geriet und gegenwärtig dem Aussterben nahe ist.

Erst 1889 konnten sie Schwestern in ihr Breslauer Mutterhaus zurückkehren. Unter der tatkräftigen Leitung der 2. Generaloberin, Mutter Felicitas Salutz, die man als 2. Gründerin der Kongregation bezeichnen kann, und unter der geistlichen Führung des späteren Alumnen – Regens und Domkapitulars Dr. Oppermann, nahm die Kongregation einen raschen äußerlichen wie innerlichen Aufschwung, so dass die Schwestern außer in Deutschland und Österreich auch in Dänemark mehrere Niederlassungen gründen konnte. Nach dem ersten Weltkrieg wurde unter der Generaloberin Mutter Margareta Fleischer die Kongregation in vier Provinzen neu gegliedert, nämlich die schlesische, tschechische, dänische und polnisch – oberschlesische. Die Ausgliederung der letztgenannten war durch die Abtretung eines Teiles von Oberschlesien an Polen notwendig geworden.

Generaloberin Mutter M. Ludgardis Saluz

Generaloberin
M. Ludgardis Saluz
1894 - 1914

Generaloberin Mutter M. Felicitas Saluz

Generaloberin
M. Felicitas Saluz
1894 - 1914

Generaloberin Mutter M. Margareta Fleischer

Generaloberin
M. Margareta Fleischer
1920 - 1938

In die Amtszeit von Generaloberin Muttern Augustina Schmidt von 1938 bis 1969 fielen die schwersten Erschütterungen in der Geschichte der Kongregation. War schon während der Zeit des Nationalsozialismus die Tätigkeit der Schwestern empfindlich eingeschränkt worden, mussten nach Kriegsende die meisten deutschen Schwestern das Schicksal der Vertreibung aus Schlesien und der Tschechei auf sich nehmen. Auf abenteuerlichen Fluchtwegen treckten sie sich mit den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen nach Mittel-, West- und Süddeutschland und nach Österreich.

Unsagbar waren die Mühsale, die Schwestern und Kinder ertragen mussten, armselig die ersten Unterkünfte, die man ihnen bot. Doch auch dieses fruchtbare Unheil hat Gott zum Segen gewendet. Mit der Zeit fanden die Schwestern in beiden Teilen Deutschland wieder fruchtbare Arbeitsfelder. Das Mutterhaus wurde nach Westberlin verlegt, das bisherige Mutterhaus in Breslau wurde Provinzhaus der neu gebildeten Breslauer Provinz, während die neuen Niederlassungen in der Bundesrepublik und in der DDR zur deutschen Provinz zusammengefasst wurden. Zwar waren die Schwestern vor allem in den Einrichtungen anderer, meist kirchlicher Träger tätig, doch wurden auch wieder ordeneigene Niederlassungen geschaffen, nämlich das dem Mutterhaus angegliederte heilpädagogische Kinderheim mit eigener Sonderschule in Berlin – Nikolassee, das Kinderheim St. Hedwig in Berlin Kladow, das groß angelegte Kinderheim mit eigener Schule St. Hedwig in Lippstadt/Westf. Und das Kinderheim St. Hedwig in Böbing, Krs. Weilheim in Oberbayern

Genraloberin Mutter M. Augustina Schmidt

Generaloberin
M. Augustina Schmidt
1938 - 1969

Mutter Augustina Schmidt gelang es, über alle staatlichen Grenzen hinweg die Einheit der Hedwigschwestern in Deutschland, Polen, Dänemark, Österreich und der Tschechoslowakei zu wahren. Sie war auch unermüdlich bemüht, einen guten Ordengeist wach zu halten und zu vertiefen. Darum stellte sich auch bereitwillig der Aufgabe, die Konstitutionen zu einer neuen „Lebensordnung“ im Geiste des Vatikanum II umzuformen. Bei dieser Arbeit legte sie besonders Wert darauf, den Geist der Regel des hl. Augustinus und die spirituellen Werte des Ordenslebens stärker zur Geltung zu bringen.

Was Mutter Augustina grundgelegt und aufgebaut hatte, wurde von Ihrer Nachfolgerin, Mutter Michaela Andörfer, fortgeführt, die auf dem ersten Generalkapitel nach dem Kriege 1969 gewählt wurde. Es gelang ihr, die Einheit der Kongregation zu vertiefen, indem sie immer wieder ihre Schwestern auch in den beiden polnischen Provinzen Breslau und Kattowitz sowie in der Tschechoslowakei besuchte. Diese Eintracht der Hedwigsfamilie fand auch lebendigen Ausdruck bei den folgenden Generalkapiteln 1975 und 1981, in denen die neue „Lebensordnung“ aufgrund der praktischen Erprobung verbessert und in eine endgültige Form gebracht wurde, so dass sie der römischen Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute zur endgültigen Bestätigung vorgelegt werden konnte.

So sind die Hedwigschwestern gerüstet, auch in der Gegenwart ihre Aufgabe in Kirche und Gesellschaft zu erfüllen; zwar machen in den westlichen Provinzen Deutschland, Dänemark und Österreich die Überalterung der Schwestern und der Mangel an Ordensnachwuchs erhebliche Sorgen. Die Hedwigschwestern sind daher bemüht, sich immer mehr auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit guten Laienkräften einzustellen und so auch in Zukunft durch ihre Werke der Kindererziehung und Caritas dem reiche Gottes zu dienen. Sie vertrauen darauf, dass das Senfkorn, das im Jahr 1859 in schlesische Erde gesenkt wurde, auch in der kommenden Zeit seine Lebenskraft erweisen wird, wenn Gott es so will.

Genraloberin Mutter M. Michaela Andorfer

Generaloberin
M. Michaela Andörfer
1969 - 2005

Generaloberin Mutter M. Vincentia Weide

Beim Generalkapitel im September 2005, wurde Schwester Vincentia Weide, von den Kapitularinnen / Delegierten zur Generaloberin gewählt. Sie war von 1999 bis 2005 Generalvikarin und somit schon mit den Aufgaben der Ordensleitung vertraut. Die vorhergehende Generaloberin Schwester Michaela wurde in das Amt der Generalvikarin gewählt.

Generaloberin
M. Vincentia Weide
seit 2005

Wilhelm Albs
(In Gott geborgen zur Liebe befreit – 125 Jahre Hedwigschwestern 1859-1984)