Newsletter bestellen

Mail
Besucherzähler

seit 01.06.09

Mail an uns

© Hedwigschwestern, Berlin 2010

Wir freuen uns, das im Jahr unseres 150 jährigen Bestehens der Seligsprechungsprozess unseres Stifters eröffnet wurde

Zur Seite über den Seligsprechungsprozess

500px-Info_blue.svg

Robert Spiske 
Gründer der Hedwigschwestern

Domkapitular Robert Spiske

Im Jahre 1921, in dem durch die Bulle „De salute animarum“ die Kirchenprovinzen und Bistümer in Preußen neu geregelt wurden, da bracht am Feste Mariä Lichtmeß eine Großmutter freudestrahlend einen Täufling aus der St. Hedwigskirche heim mit den Worten: „Da bringe ich Euch einen Pfarrer!“ Damit war verheißungsvoll der Lebensweg des am 29. Januar 1821 zu Deutsch – Lissa bei Breslau geborenen späteren Breslauer Domherren und Stifters der Kongregation der Hedwigschwestern Robert Spiske vorgezeichnet. Sein ganzes Priesterleben hatte er im Dienst der Seelsorge der Stadt Breslau gestanden.

Der Vater von Spiskes Mutter war Schulrektor bei St. Nikolai (Breslau), sein Vater ein aus Braunau in Böhmen eingewanderter Schuhmacher, der sich trotz aller Armut sehr stark der profanen Bildung und religiösen Unterweisung seines Sohnes annahm. Irgendwie war dem Vater eine gewisse Strenge eigen, musste doch der Sohn nach der Schule schnurstracks nach Hause und durfte dann das Haus für den Tag nicht mehr verlassen. Dieser Umstand förderte die Fähigkeit zu reflektieren und zu meditieren. Schon früh regte sich in dem sensiblen Knaben der Wunsch, Priester zu werden. Wegen der bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnisse im Elternhaus bei vier Kindern, verhalfen verschiedene weitsichtige Gönner dem religiös stark ansprechenden Knaben zur Aufnahme in den Domknabenchor und zum Besuch des Mariengymnasiums. Ganz besonders beeindruckten Robert spiske diejenigen Beichtunterrichtstunden, in denen die sechs Sünden wieder dem Hl. Geist behandelt wurden, wo der jungen Seele die Hölle mit ihrer Furchtbarkeit vor die Augen trat. Sehr genau unterwarf er sein tägliches Tun der Rechenschaft vor Gott und nahm sich gegenüber den Verführungen durch die Lektüre der heidnischen Schriftsteller selbst stark in Zucht. In diesen Jugenderlebnissen ist der Ursprung für seinen späteren Ruf als guter Beichtvater zu suchen. Die Echtheit der Priesterberufung wurde auf eine harte Probe gestellt, als ein Verwandter ihm in Aussicht stellte, für sein Studium sorgen zu wollen, wenn er nicht Theologie studiere. Reichen Einblick gewährt der Lebensbericht, den Robert Spiske beim Eintritt in das Breslauer Priesterseminar als Grundlage für die Beurteilung seiner Berufung zum Priestertum abgeben musste. Die Aufgabe als Alumnatssenior, ein Jahr vor seiner Priesterweihe im Jahr 1847, ließ seine pädagogischen und seelsorgerischen Fähigkeiten entfalten.

Seine erste Anstellung als Kaplan erhielt Robert Spiske an St. Maria auf dem Sande. Hier wurde der Neupriester an die Söhne des Hl. Augustinus erinnert, die diese Kirche erbaut und jahrhunderte lang bis zur Säkularisation betreut hatten. Unwillkürlich regte sich ihn ihm der Wunsch, in Breslau das Aufblühen des Ordenslebens, für dessen Ideale er sich stets begeistern konnte, auch seinerseits zu fördern, denn um die Jahrhundertmitte begannen etliche religiöse Frauengenossenschaften ihr soziales und pädagogisches Wirken: die Grauen Schwestern, die Borromäerinnen, die Armen Schulschwestern U.L.F., die Kongregation der Marienschwestern u. a.
Da der stark innerlich geprägte Priester Menschen verschiedenster Herkunft und Mentalität ansprechen konnte, übertrug ihm der Fürstbischof bald die Verwaltung der verwaisten Pfarrei St. Michael im Norden Breslaus. In diesem, meist von Armen und Verwahrlosten bewohnten Stadtviertel, konnte er seinen Seeleneifer voll entfalten. Auch hier fand er geschichtsträchtigen Boden vor: Prämonstratenser hatten das Werk der Benediktiner weitergeführt
.

Robert Spiske

Wegen der Befürchtung seines Gönners, Melchior Kardinal Diepenbrocks, Spiske könne sich diesem Großstadtapostolat allzu früh verzehren, versetzte ihn der Fürstbischof als Kuratus wieder zurück auf seine erste Seelsorgestelle  nach St. Maria auf dem Sande. Hier sollte der hoch angesehene Kuratus jetzt neben seinem Freund, dem Pfarrer und ehemaligen Privatdozenten Dr. Joseph Wick, arbeiten. Wenn auch charakterlich verschieden, so glich sich das begnadete Freundespaar in seiner Seelsorgepraxis. Durch ihre Begeisterungsfähigkeit und das pastorale Engagement machten sie die Sandkirche nach dem Dom zum meist besuchten Breslauer Gotteshaus. Auf dem caritativen Sektor allerdings übertraf der Kuratus seinen Pfarrer: vor allem wollte er die Jugend im Schulunterricht bilden. Auch außerhalb der Schule widmete er sich den Kindern, denn sie waren für ihn die Herren, denen er diente als seien sie Christus selber – eine Forderung, die er später den Hedwigschwestern immer wieder vor Augen stellte. Noch nach der Schulentlassung sorgte er für seine Schüler in wirtschaftlicher wie religiöser Hinsicht, so z.B. suchte er die künftigen Handwerker bei guten Meistern unterzubringen, oder er ebnete bedürftigen, geeignet erscheinenden Jungen den Weg zum Priestertum. Dabei ließ er sich leiten vom Gedanken der Dankbarkeit an eigene empfangene Wohltaten auf seinem Lebensweg.

Robert Spiske - Gründer der Hedwigschwestern

Um den Stürmen der 48er Revolution zu begegnen, wurden damals Volksmissionen gehalten, von denen die der Breslauer Jesuitenmission des Jahres 1852 Robert Spiske so nachhaltig beeindruckt hatte, das er sogar selbst in zwei schlesischen Gemeinden erfolgreich als Missionar auftrat. Die Erfahrungen, die er hierbei machen konnte, stärkten in ihm das Verlangen nach Schaffung einer Organisation, die auf dem Wege der Nachfolge Jesu nach einem festen Plan vor allem auf dem Gebiet der Jugenderziehung und –bildung sowie der Pflege Alter und Kranker tätig sein sollte. Aus den Anfängen des Hedwigvereins katholischer Frauen und Jungfrauen erwuchs später die Kongregation der Hedwigschwestern.

Der Kreis seines Arbeitsfeldes sollte sich noch erweitern, als Robert Spiske die Breslauer Pfarrei Dorothea übertragen wurde, die wegen ihrer zentralen Lage inmitten einer reichen Kaufmannschaft als eine der vornehmsten galt. Doch zig es ihn nicht zu diesen reichen und hohen Herrschaften, vielmehr fühlten sich diese von dem hochgebildeten und dabei so bescheidenen gebliebenen Priester angezogen. Der schlesische katholische Adel trat jetzt näher an ihn heran, unterstützte seine religiösen und caritativen Bestrebungen und ließ gern seine Kinder von ihm unterrichten. Da Spiske das Französische vollkommen beherrschte, kamen viele Ausländer bei ihm beichten, vor allem vornehme Polen aus Posen und infolge der Polenverfolgungen auch aus Russland. Mit seinen mitreißenden apostolischen Predigten zog er ganz besonders Protestanten und Juden an. Mehr als zweitausend Menschen führte Spiske nach einem gründlichen Konvertitenunterricht zur Aufnahme in die katholische Kirche.
Eine besondere Aufgabe fiel Spiske während der Kulturkampfzeit zu, nachdem ihm Fürstbischof Förster, durch die Ernennung zum Erzpriester des Dekanates Breslau die Leitung der Seelsorge in der ganzen Bischofsstadt anvertraut hatte. Bei seinem Bemühen, die Katholiken in der Treue zur Kirche zu bestärken und sie politisch dem Zentrum zuzuführen, konnte er sich auf die Unterstützung durch den schlesischen Adel verlassen. Etwa zwanzig Jahre wirkte Spiske segensreich in St. Dorothea , bis er im Jahre 1883 zum residierenden Domherren und Domprediger berufen wurde.  Am 5. März 1888 starb er in Breslau an den Folgen eines Schlaganfalls. Der Geist seines Wirkens aber lebt weiter in seiner Stiftung der Kongregation der Schwestern von der Hl. Hedwig.